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Reiseziel

Tayma: Oase und Königsresidenz des Nabonid im Nordwesten

KI-Illustration: Palmengarten um einen großen runden Steinbrunnen mit hölzernem Schöpfgerüst, dahinter Lehmmauerreste und FelsrückenKI-Illustration
Kurzantwort

Tayma ist eine Oasenstadt in der Provinz Tabuk, rund 265 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt. Mehr als 80.000 Dattelpalmen, ein Brunnen von 18 Metern Durchmesser und eine Stadtmauer prägen den Ort. Im 6. Jahrhundert v. Chr. residierte hier der letzte babylonische König, Nabonid. Die Ausgrabungen zählen zu den ergiebigsten des Landes.

Schnellfakten Tayma (Stand 01.11.2026)
LageProvinz Tabuk, rund 265 km südöstlich von Tabuk und rund 400 km nördlich von Medina
Art der StätteOasenstadt mit Stadtmauer, Palastresten, Brunnen und Gräberfeldern
Bekannteste Epoche6. Jahrhundert v. Chr., Residenz des Königs Nabonid von Babylon
WahrzeichenHaddaj-Brunnen (18 m Durchmesser), Qasr al-Hamra, Qasr al-Radhm, Stadtmauer
Forschungseit 2004 saudisch-deutsche Grabungen; Funde im Nationalmuseum Riad
Oase heutemehr als 80.000 Dattelpalmen, dazu Trauben, Granatäpfel, Feigen und Oliven
VerwaltungGouvernorat Tayma, zwölf Verwaltungszentren, mehr als 42.000 Einwohner (Zählung 2022)

Wo liegt Tayma und warum entstand hier eine Stadt?

Tayma liegt im Nordwesten des Landes, in der Provinz Tabuk, etwa 265 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt und rund 400 Kilometer nördlich von Medina. Das Gouvernorat grenzt an die Provinzen Medina, Hail und Al-Dschauf. Die Straße zwischen Tabuk und Medina führt am Ort vorbei. Wer die Region auf der Karte einordnen möchte, findet sie auf unserer Seite zur Provinz Tabuk.

Die Landschaft ringsum ist trocken, doch der Boden ist fruchtbar und führt Grund- wie Oberflächenwasser. Das ist der Grund, warum hier seit Jahrtausenden Menschen leben. Die Oase gehörte zu den Stationen der Weihrauchstraße, auf der Karawanen Waren zwischen dem Süden der Halbinsel und den Märkten am Mittelmeer und in Mesopotamien beförderten. Wer Wasser, Datteln und Schatten bot, konnte Händler anziehen, Zölle erheben und Macht aufbauen.

Das Gouvernorat Tayma gliedert sich in zwölf Verwaltungszentren, darunter al-Dschahra, al-Kutayb, Arda und Madaisis. Die Bevölkerung betrug bei der Zählung 2022 mehr als 42.000 Menschen. Die Landwirtschaft prägt den Ort bis heute: Dattelpalmen wachsen in großer Zahl, dazu kommen Weintrauben, Granatäpfel, Feigen und Oliven.

Welche Spuren hinterließen die frühesten Bewohner?

Die Geschichte der Oase reicht weit hinter die Schriftzeit zurück. Im Norden der Siedlung lag vor rund 20.000 Jahren ein flacher See. Er trocknete im 5. Jahrtausend v. Chr. aus und hinterließ eine Salzpfanne, die Sabkha. Am Rand dieses Sees lebten Menschen, die Feuerstein verarbeiteten; sie fertigten Bohrer, von denen Tausende ins Zentrum der späteren Siedlung gelangten. Fossilien von Tieren, die am Ufer des alten Sees lebten, sind mehr als 500.000 Jahre alt, darunter der Stoßzahn eines Elefanten.

Aus der Jungsteinzeit stammen Felsritzungen und Fundplätze im Umland. Im Gebiet von Rujum Sa'sa' liegen Steinhügelgräber aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Am Berg Jabal Ghaneem tragen Felswände alte Zeichen und religiöse Inschriften. Auch im weiteren Umfeld finden sich Hinweise auf frühe Verbindungen in die Welt des Nils: Etwa 90 Kilometer nordwestlich von Tayma ist an einer Felswand, rund zwei Meter über dem Boden, eine pharaonische Inschrift eingraviert. Das Schriftzeichen ist 47 Zentimeter hoch und 23 Zentimeter breit. Sie liegt an einem alten Handelsweg, der Tayma mit Tabuk verband.

Aus dem 11. bis 9. Jahrhundert v. Chr. stammt ein Gebäude, das kultischen Zwecken diente und Gegenstände im ägyptischen Stil sowie bemalte Holzbehälter enthielt. Bemalte Keramik vom Ort ähnelt Funden aus Qurayyah nahe Tabuk, aus Palästina und aus Jordanien. Damit war Tayma schon in der Spätbronzezeit und frühen Eisenzeit an ein weites Netz von Handelsbeziehungen angeschlossen.

KI-Illustration: Trockene Salzpfanne am Rand einer Oase mit Palmen und niedrigen Felsrücken im Morgenlicht
Einordnung

Dass Tayma so viele Epochen vereint, liegt an seinem Wasser. Dieselbe Lage, die Jäger vor Zehntausenden Jahren an einen See führte, machte später die Oase zum Ziel von Königen und Händlern.

Wie verteidigte die Stadtmauer die Oase?

Das auffälligste Bauwerk der Stadt ist ihre Mauer. Sie umschloss die Siedlung und ist in Abschnitten noch zwei bis zehn Meter hoch. Sie zählt zu den längsten historischen Mauern der Arabischen Halbinsel; frühe arabische Reisende haben sie beschrieben. Die ältesten erhaltenen Mauerreste reichen bis in die Spätbronzezeit zurück, also in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. Das deutet auf eine Verwaltung und öffentliche Einrichtungen, die den Bau organisierten.

Ein Teil des Baumaterials kam aus der Umgebung der Stadt selbst: Aus dem Schlamm der Sabkha formten die Bauleute die Lehmziegel der Mauer. Die Anlage wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach ausgebessert. Spätestens in nabatäischer Zeit entstanden neue Befestigungen. Mehr als tausend Jahre lang schützte die Mauer so die Oase, ihre Gärten und ihre Brunnen.

Zur Stadt gehörte außerdem ein Handwerksviertel. Eine Lehmziegelfabrik stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., und im Bereich einer Werkstattzone fanden die Archäologen Töpferwerkzeug aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Die Anlage ist also kein einmaliges Bauwerk, sondern das Ergebnis eines langen Betriebs, in dem Menschen Mauern pflegten, Ziegel brannten und Werkzeuge herstellten.

Was macht den Haddaj-Brunnen so besonders?

Im Zentrum der alten Stadt liegt der Haddaj-Brunnen, einer der größten und bekanntesten Brunnen der Halbinsel. Er hat einen Durchmesser von etwa 18 Metern, die Wände sind mit behauenem Stein ausgekleidet, und rundherum stehen Palmengärten. Der Überlieferung nach wurde er im 6. Jahrhundert v. Chr. angelegt, von einer Flut zerstört und später in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. Sein Wasser versorgt den Ort seit Jahrtausenden.

Über dem Schacht steht ein hölzernes Gerüst mit 40 Holzrädern. Kamele zogen über diese Räder Seile, an denen große Eimer hingen. Das gehobene Wasser floss in Kanäle und bewässerte die Gärten ringsum. Steinerne Führungen, die vom Rand des Brunnens strahlenförmig ausgehen, leiteten Kamele und Treiber und sind noch zu sehen. Der Brunnen wurde in den 1990er Jahren restauriert.

Der Haddaj-Brunnen war zugleich eine wichtige Station auf dem alten Pilgerweg. Wer die Oase erreichte, fand verlässliches Wasser, Palmen und einen Markt. In der Nähe liegt der Heritage Souq al-Najm, der restauriert wurde und Besucher empfängt. Hydrologen haben im Stadtgebiet mindestens drei weitere Wasserquellen innerhalb der Mauer festgestellt. Die Oase besaß also mehrere Standbeine für ihre Wasserversorgung.

KI-Illustration: Großer runder Steinbrunnen mit hölzernem Schöpfgerüst zwischen Dattelpalmen
Praxis-Hinweis

Der Brunnen ist ein Zeugnis der traditionellen Wasserwirtschaft. Fotografieren Sie ihn von den Rändern aus und halten Sie Abstand zu den Holzkonstruktionen; sie sind alt und empfindlich.

Wer war Nabonid und warum zog er nach Tayma?

Nabonid war der letzte König des neubabylonischen Reiches und regierte von 556 bis 539 v. Chr. Er kam nach der Ermordung des Knabenkönigs Labaschi-Marduk auf den Thron. Während seiner Regierungszeit verließ er Babylon und nahm seinen Wohnsitz in Tayma. In der Oase ließ er einen Komplex von Königsbauten errichten, von denen die meisten bei neueren Grabungen freigelegt wurden.

Für den Aufenthalt gibt es mehrere Zeugnisse. In Tayma fand sich eine Stele mit einer Inschrift und der Darstellung eines Herrschers, die Nabonid zugeschrieben wird. Auch Felsinschriften in der Wüste rund um Tayma halten seine Anwesenheit fest. Dass der König ausgerechnet diese Oase wählte, hat mit ihrem Wohlstand und mit der Kontrolle über die Handelswege zu tun: Wer Tayma beherrschte, konnte die Karawanenstraßen des Nordwestens überwachen. Hinzu kamen Spannungen am babylonischen Hof, denn Nabonid verehrte den Mondgott Sin besonders stark, was in Babylon auf Widerstand stieß.

Wie lange er blieb und warum er zurückkehrte, bleibt eine offene Frage der Forschung. Für Reisende ist die Antwort weniger wichtig als die Erkenntnis, dass sich am Rand der Wüste einst ein Herrscher niederließ, dessen Reich bis an den Euphrat reichte. Mehr zur Geschichte der Halbinsel vor dem Islam finden Sie auf der Seite Vorislamische Zeit.

Was ist von den Palästen erhalten?

Der bekannteste Königsbau ist Qasr al-Hamra im Norden der Stadt. Er wurde 1979 entdeckt und liegt auf einem roten Felsrand, dem er seinen Namen verdankt: Hamra bedeutet „die Rote“. Der Bau stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und war ursprünglich ein Tempel mit einem Wohnbereich; ein weiterer Teil bildete den südlichen Abschnitt des Palastes. Er besteht aus drei Abschnitten, ist rund 80 Meter lang und etwa 20 Meter breit und wurde aus unregelmäßigen lokalen Steinen errichtet. Zu den Funden zählen ein Korb mit aramäischem Text und ein würfelförmiger Stein mit Szenen und Symbolen.

Westlich davon, im Viertel al-Mubbayat, liegt Qasr al-Radhm. Der Palast stammt aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., und seine Mauern stehen noch. Im Zentrum der Oase liegt außerdem ein Tempel, in dem Inschriften eines lihyanitischen Herrschers und große Statuen von Königsfiguren gefunden wurden. Das Königreich Lihyan hatte seinen Sitz in Dadan, dem heutigen Al-Khuraybah bei AlUla; Parallelen zu Funden dort zeigen, wie eng die Oasen im Nordwesten verbunden waren. Mehr über Dadan lesen Sie auf der Seite zu Dadan und Jabal Ikmah.

Zwischen der Zeit der Nabatäer und dem Aufstieg des Islam füllten Wohn- und Repräsentationsbauten große Teile der Siedlung. Frühislamische Reste liegen im zentralen Westteil. Jünger sind der Qasr al-Bajidi, der erste islamische Palast, der in Tayma entdeckt wurde: Er stammt aus abbasidischer Zeit, ist quadratisch und hat runde Ecktürme. Der Qasr al-Emara in der Altstadt beim Brunnen, dessen Bau 1917 begann, hat zwei Stockwerke und zeigt die traditionelle Bauweise des 20. Jahrhunderts.

KI-Illustration: Niedrige Mauerreste eines Palastes aus unregelmäßigen Steinen auf einem rötlichen Felsrand

Welche Inschriften und Funde sind aus Tayma bekannt?

Tayma ist für seine Schriftzeugnisse berühmt. Die Inschriften sind in Keilschrift, thamudischer Schrift, Aramäisch, Nabatäisch und islamischem Arabisch verfasst und stehen auf Keramik, Skulpturen und Felsen. Zwei Inschriften des 8. und 6. Jahrhunderts v. Chr. nennen Tayma; in einer macht ein König von Babylon den Ort zur Hauptstadt seines Reiches.

Das berühmteste Stück ist die Sandsteinstele aus Qasr al-Hamra. Sie misst 102 mal 45 Zentimeter und ist 16 Zentimeter dick und stammt aus der Zeit zwischen 555 und 539 v. Chr. Im oberen Teil zeigt das Relief eine geflügelte Sonnenscheibe, einen Stern im Kreis, einen Stier mit nach innen gebogenen Hörnern und eine Gestalt, die mit erhobener linker Hand vor dem Stier steht. Darunter folgt eine Inschrift in zehn Zeilen. Die Stele wird im Nationalmuseum Riad aufbewahrt und war für eine Ausstellung saudischer Meisterwerke ausgewählt.

Eine weitere aramäische Stele aus Tayma wurde im 19. Jahrhundert nach Frankreich gebracht und befindet sich heute im Louvre in Paris; sie heißt dort „Stein von Tayma“. Den Zusammenhang zwischen Tayma und der Region von AlUla zeigt auch die Seite zu Hegra und Mada'in Salih.

Wie wurde die Oase erforscht?

Im Jahr 2004 begannen die ersten umfassenden Ausgrabungen. Beteiligt sind die Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin, die saudische Denkmalbehörde in Riad und die King Saud University. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Geschichte der Oase von der Jungsteinzeit bis in die islamische Zeit zu rekonstruieren. Die meisten ausgegrabenen Gebäudereste stammen aus der Zeit von der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. bis in die ersten Jahrhunderte n. Chr.

Mittelalterliche arabische Geografen beschrieben Tayma als eine der größten und reichsten Oasen Nordarabiens. Das passt zum Bild, das die Grabungen zeichnen: eine Stadt mit Mauer, Palästen, Tempeln, Wohnvierteln und Gärten, die über Jahrhunderte Bestand hatte. Die freigelegten Strukturen werden mit traditionellen Methoden und lokalen Materialien geschützt. Die Verantwortung für die Stätten liegt bei der Heritage Commission.

Wie plant man einen Besuch in Tayma?

Tayma liegt abseits der großen Flugrouten. Die Anreise erfolgt über Tabuk oder Medina auf der Straße; die Strecken betragen rund 265 beziehungsweise 400 Kilometer. Für die Fahrt im Land lesen Sie die Seite Mietwagen mit den Hinweisen zu Wüstenstraßen, für die Anreise nach Saudi-Arabien insgesamt die Seite Flüge nach Saudi-Arabien. Wer die Region mit AlUla verbinden möchte, findet Hintergründe auf der Seite zu AlUla.

Im Sommer ist es hier sehr heiß; die kühleren Monate eignen sich besser für Besichtigungen im Freien. Einzelheiten zum Klima stehen auf der Seite beste Reisezeit. Planen Sie Wasser, Sonnenschutz und festes Schuhwerk ein, denn die Palast- und Mauerreste liegen im offenen Gelände. Für das Verhalten an Kulturstätten und beim Fotografieren gelten die Regeln der Seite Regeln und Respekt.

Praxis-Hinweis

Klären Sie vor der Anreise, welche Teile der Grabungsstätte zugänglich sind, am besten über einen lizenzierten Veranstalter. Grabungsbereiche sind Arbeitsflächen, keine Besucherwege.

Weitere Kulturstätten und Landschaften finden Sie in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten.

Alle Sehenswürdigkeiten

Häufige Fragen

Wo liegt Tayma?

In der Provinz Tabuk, rund 265 Kilometer südöstlich von Tabuk und rund 400 Kilometer nördlich von Medina.

Wer war Nabonid?

Der letzte König des neubabylonischen Reiches, der von 556 bis 539 v. Chr. regierte und Tayma als Residenz wählte.

Wie groß ist der Haddaj-Brunnen?

Er hat einen Durchmesser von etwa 18 Metern, ist mit behauenem Stein ausgekleidet und wurde von Kamelen mit Seilzügen an 40 Holzrädern genutzt.

Wo ist die Stele von Tayma zu sehen?

Die Sandsteinstele aus Qasr al-Hamra befindet sich im Nationalmuseum in Riad.

Seit wann wird in Tayma gegraben?

Die ersten umfassenden Ausgrabungen begannen 2004 als saudisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt.

Was wächst in der Oase?

Vor allem Dattelpalmen, dazu Weintrauben, Granatäpfel, Feigen und Oliven.

Quellen und Prüfstand

  1. Offizielle Stelle Saudi-ArabienSaudipedia (Heritage Commission): Gouvernorat Tayma, Archäologische Funde in Tayma, Qasr al-Hamra, Stele von Tayma, abgerufen am 01.11.2026
  2. PresseArab News, Beilage Deutsche Kulturwochen: Ausgrabungen in Tayma (Saudisch-deutsches Projekt, Mauer, Oase), abgerufen am 01.11.2026
  3. PresseArab News, 16. Dezember 2011: Der Haddaj-Brunnen von Tayma, abgerufen am 01.11.2026
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