Kultur & Land
Khawlani-Kaffee aus Dschazan: Anbau, Tradition und UNESCO-Erbe
KI-IllustrationKhawlani ist die wichtigste Kaffeesorte Saudi-Arabiens und wächst auf Bergterrassen im Süden, vor allem in der Region Dschazan. Der Anbau besteht seit rund acht Jahrhunderten. Im Dezember 2022 nahm die UNESCO den Khawlani-Kaffee samt Anbauwissen in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
| Sorte | Khawlani, die vorherrschende Kaffeesorte des Landes |
|---|---|
| Anbaugebiet | Berge der Region Dschazan (Südwesten), außerdem Al-Baha und Abha |
| Tradition | Anbau seit rund acht Jahrhunderten |
| UNESCO | Dezember 2022, Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes |
| Zubereitung | helle Röstung, frisch gemahlener Kardamom, Safran, regional auch Nelken |
| Name | seit 2022 amtlich „Saudi-Kaffee“ statt „Arabischer Kaffee“ |
Was ist Khawlani-Kaffee?
Khawlani ist die Kaffeesorte, die in Saudi-Arabien am häufigsten angebaut wird. Sie wächst in den Bergen des Südens, am bekanntesten in der Region Dschazan im Südwesten des Landes. Dort ist Khawlani die Sorte der roten Bohnen, die häufig mit Kardamom und Safran zubereitet wird. Das Getränk ist hellgelb und schmeckt deutlich anders als der bittere schwarze Kaffee, den man aus Europa oder aus anderen Teilen des Nahen Ostens kennt. Vor Ort heißt es „ghawa“.
Der Anbau besteht seit rund acht Jahrhunderten. Er ist mit den Bräuchen, der Dichtung und den Liedern der Bergregion verbunden: Gedichte und Gesänge handeln vom Kaffee, und das Zubereiten und Servieren für Gäste ist eine eigene Kunstform. Der Kaffee erreichte die Arabische Halbinsel aus Äthiopien über den Jemen; im 15. Jahrhundert verbreitete er sich im übrigen Nahen Osten.
Wer sich für Essen und Trinken im Land interessiert, findet den größeren Rahmen auf der Seite Essen und Trinken in Saudi-Arabien und die Küche im Überblick auf der Seite Nationalgerichte.
Wo wächst der Khawlani-Kaffee?
Die meisten Pflanzen stehen im Südwesten, im Hochland von Dschazan. Die Berge sind kühl und feucht, der Boden ist fruchtbar, und erfolgreicher Anbau hängt von Regen in bestimmten Jahreszeiten ab. Die Hänge sind terrassiert; die Terrassen wurden eigens für den Kaffeeanbau angelegt. Weitere Pflanzungen gibt es in der Region Al-Baha und bei Abha in der Provinz Asir.
Zum Ende des Jahres 2021 standen im Land rund 400.000 Kaffeebäume auf etwa 600 Farmen. Das ist, verglichen mit Äthiopien, eine kleine Menge, doch der Anbau gewinnt an Bedeutung. Die Bauern ernten, trocknen und schälen die Früchte traditionell von Hand; teils kommen moderne Verfahren hinzu, um die Qualität zu sichern. Familien führen die Farmen über Generationen; in den Berggebieten tragen Bauern traditionell ein dunkles Hemd, einen knöchellangen Rock und einen Gürtel mit Dolch.
Die Berge des Südens sind zugleich Wandergebiet und Kulturlandschaft. Wer die Region bereist, sieht neben dem Kaffee Dörfer aus Stein, Märkte und Terrassenfelder. Die Hauptstadt der Nachbarprovinz beschreibt die Seite Abha, die Geschichte der Region die Seite zu Asir.
Wie wird Saudi-Kaffee zubereitet und serviert?
Saudi-Kaffee ist hell geröstet und wird mit frisch gemahlenem Kardamom gewürzt. Dieser Kardamom ist der gemeinsame Nenner aller Regionen des Landes. Je nach Gegend kommen Safran, Nelken oder andere Gewürze hinzu. Serviert wird der Kaffee in einer langhalsigen Kanne, der Dallah, und in kleinen henkellosen Tassen. In Häusern und in Palästen wird er mit Datteln gereicht.
Die Regionen unterscheiden sich spürbar. In Dschazan gibt es „Mardom“, einen süßlichen Aufguss aus den Schalen der Kaffeefrüchte. In den südlichen Gebieten wird oft mehr Wasser zugesetzt, sodass der Kaffee leichter ausfällt; Ingwer und Ajowan-Samen geben Geschmack. In Nadschran wird der Kaffee mit Wermut und Mastix geröstet, und die Tassen werden mit Mastix ausgeräuchert. In Al-Baha wird der „Schadwi“ zubereitet, einer der feinsten Kaffees des Landes.
Wie man sich als Gast verhält und was zur Gastfreundschaft gehört, erklärt die Seite Regeln und Respekt. Kaffee ist ein Zeichen von Gastfreundschaft und Großzügigkeit und verbindet die gesellschaftlichen Schichten.
Der Begriff „Arabischer Kaffee“ wurde 2022 im Rahmen des „Jahres des Saudi-Kaffees“ durch „Saudi-Kaffee“ ersetzt. Restaurants und Cafés im Land verwenden seitdem den neuen Namen; Rezepte und Brühweisen sind von Region zu Region verschieden.
Wie kam der Khawlani-Kaffee auf die UNESCO-Liste?
Im Dezember 2022 nahm das Komitee zum Schutz des immateriellen Kulturerbes bei seiner Jahrestagung in Marokko den saudischen Khawlani-Kaffee samt den Fertigkeiten und dem Wissen rund um seinen Anbau in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Am Antrag wirkten mehrere Stellen zusammen, darunter die Heritage Commission, das Kulturministerium, die Nationale Kommission für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die Ständige Vertretung bei der UNESCO, die Kulinarik-Kommission und die Saudische Gesellschaft zur Bewahrung des Erbes.
Saudi-Arabien führt damit mehrere immaterielle Elemente auf der Liste, darunter das Majlis, den arabischen Kaffee, den Ardah-Tanz, die Flöte, die Falknerei, die Palme, die Sadu-Weberei und die arabische Kalligrafie. Die Aufnahme des Khawlani-Kaffees steht für die Wertschätzung einer Sorte, die für Jahrhunderte ein Stolz der südlichen Regionen war.
Für Bauern bedeutet die Aufnahme Rückenwind: Sie erhoffen sich Hilfe beim Erhalt der Kaffeebäume und Interesse ausländischer Investoren. Zugleich ist sie Teil wirtschaftlicher Ziele des Landes. Das Land will seine Wirtschaft breiter aufstellen; mehr dazu auf der Seite Vision 2030.
Welche Rolle spielt der Kaffee für die Wirtschaft?
Der Kaffeeanbau wird vom Nischenprodukt zum Wirtschaftszweig ausgebaut. 2022 wurde die Saudi Coffee Company gegründet, die der staatliche Public Investment Fund trägt. Ihr Ziel ist es, das Land zu einem wichtigen Kaffeeerzeuger zu machen und den heimischen Sektor von der Produktion bis zur Vermarktung zu stärken. Das Interesse reicht über die Ernte hinaus: Spezialitätenröstereien und Cafés setzen zunehmend auf Herkunft und Qualität, und Im Süden dürfte sich ein Kaffeetourismus entwickeln.
Für Reisende zeigt sich das schon heute in den Cafés der Großstädte, die zunehmend heimische Bohnen anbieten. Die Beschreibung der Aromen reicht von getrockneten Früchten und Rosinen über Datteln und Kardamom bis zu Zimt und dunkler Schokolade. Wer die Bohnen mitnehmen möchte, findet sie in Cafés und Röstereien; zu Preisen im Land finden Sie Hinweise auf der Seite Geld, Kosten und Trinkgeld.
Wie schmecken die Bohnen, wenn man sie anders zubereitet?
Neben dem traditionellen Aufguss mit Gewürzen wird Khawlani zunehmend auch als Spezialitätenkaffee getrunken. Der Kaffee hat einen runden, weichen Körper mit lebendiger Säure und Aromen von getrockneten Früchten, Rosinen, Datteln, Kardamom, Zimt und dunkler Schokolade. Die Bohnen eignen sich für Espressogetränke ebenso wie für schwarz gebrühten Filterkaffee; das Röstprofil wird dem gewünschten Ergebnis angepasst.
Damit steht der Khawlani an einer Schwelle: Er ist einerseits das Getränk, das Gästen im Haus gereicht wird, andererseits ein Rohstoff, mit dem junge Röster und Baristas arbeiten. In Cafés von Riad bis Taif ersetzen heimische Bohnen zunehmend importierte. Wer einen Eindruck von beiden Seiten gewinnen will, trinkt zuerst den traditionell zubereiteten, hellen Kaffee mit Kardamom und danach eine Tasse im Café, in der das Aroma der Bohne im Vordergrund steht. Zum Aufenthalt in Taif lesen Sie die Seite zur Stadt.
Wie lässt sich der Kaffee auf einer Reise erleben?
Am nächsten kommt man dem Kaffee im Süden: im Hochland von Dschazan, in Al-Baha und in Asir. Dort lohnen der Besuch einer Farm und ein Gespräch mit den Bauern, die das Wissen weitergeben. Informieren Sie sich vor der Reise über die Einstufung der Region durch die Außenministerien; für den Süden des Landes gelten besondere Hinweise. Die Reisezeit beeinflusst, was Sie sehen: Die beste Jahreszeit für Berggebiete finden Sie auf der Seite beste Reisezeit.
Im Alltag begegnet Ihnen der Kaffee überall: im Hotel, im Büro, im Flugzeug und bei Einladungen. Wie Sie sich als Gast verhalten, beschreibt die Seite Regeln und Respekt; Hinweise zu Pilgerreisen stehen auf der Seite Pilgern.
Mehr zur saudischen Küche und zu Getränken finden Sie in der Übersicht zu Essen und Trinken.
Essen und TrinkenHäufige Fragen
Was ist Khawlani-Kaffee?
Die wichtigste Kaffeesorte Saudi-Arabiens, angebaut in den Bergen des Südens, vor allem in Dschazan. Die roten Bohnen werden häufig mit Kardamom und Safran zubereitet.
Seit wann ist Khawlani-Kaffee UNESCO-Kulturerbe?
Seit Dezember 2022. Das Komitee nahm ihn samt dem Anbauwissen in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes auf.
Wie alt ist der Anbau?
Er besteht seit mehr als acht Jahrhunderten im Süden des Landes.
Warum heißt Arabischer Kaffee jetzt Saudi-Kaffee?
Das Kulturministerium führte 2022 im „Jahr des Saudi-Kaffees“ die neue Bezeichnung ein; Cafés und Restaurants im Land verwenden sie seitdem.
Wie schmeckt Saudi-Kaffee?
Hell geröstet, hellgelb im Becher und deutlich milder als bitterer schwarzer Kaffee; frisch gemahlener Kardamom ist in allen Regionen üblich.
Welche regionalen Varianten gibt es?
Mardom aus Fruchtschalen in Dschazan, Kaffee mit Wermut und Mastix in Nadschran, Schadwi in Al-Baha.
Quellen und Prüfstand
- Internationale OrganisationUNESCO: Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes (Khawlani-Kaffee, 2022), abgerufen am 01.11.2026
- Offizielle Stelle Saudi-ArabienVisit Saudi: Informationen zu Reisezielen in Saudi-Arabien, abgerufen am 01.11.2026
- PresseArab News, 1. Dezember 2022: UNESCO adds Saudi Khawlani coffee, Camel Heda'a oral tradition to intangible cultural heritage list, abgerufen am 01.11.2026
- PresseArab News, 22. September 2023: Saudi coffee, Khawlani, Anbau und Saudi Coffee Company, abgerufen am 01.11.2026
- PresseThe National, 5. August 2022: Saudi coffee takes over as kingdom's connoisseurs shun Arabic brew for local tradition, abgerufen am 01.11.2026
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